Münchner
Friedensbündnis
Münchner Friedensbündnis - c/o Friedensbüro e.V.,
Isabellastr. 6, 80798 München
Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2005, 5.8.05
Mechthild von Walter,
Stadträtin der ödp im Münchner Stadtrat
Begrüßung auf dem Marienplatz
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
im Namen der Landeshauptstadt München und in Vertretung von Herrn
Oberbürgermeister Ude begrüße ich Sie zu dieser Stunde
des Gedenkens an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki
vor 60 Jahren.
Wir gedenken der Menschen, die in der Flammenhölle umkamen, wir
gedenken derer, die an den Folgen der radioaktiven Verstrahlung
qualvoll starben, wir gedenken derer, deren Leben durch diese
Katastrophe zerstört wurde.
Es war keine Naturkatastrophe, die über die Menschen von Hiroshima
und Nagasaki hereinbrach. Es war ein von Menschen ersonnener, von
Menschen seit langem geplanter, von Menschen präzise
ausgeführter Massenmord.
Voller Scham nehmen wir erneut wahr, zu welchen Unmenschlichkeiten wir
Menschen fähig sind. Seit 60 Jahren ist diese schmachvoll Untat in
unser kollektives Gedächtnis eingebrannt - seit 60 Jahren.
Was hat sich seitdem geändert?
In Deutschland lagern immer noch zwischen 130 und 150 atomare
Sprengköpfe. In den USA werden neue Atomwaffen konstruiert. Mit
ihrem Einsatz wird gedroht. Politiker in Deutschland planen die
Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken. Das alles sind
tödliche Gefahren.
Wenn unser Gedenken an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki nicht
wohlfeiles Trauerritual bleiben soll, dann müssen wir Konsequenzen
ziehen.
1. Konsequenz
Wir müssen öffentlich die Forderung erheben, und das tue ich
hier und jetzt, dass alle, die sich an diesen Verbrechen gegen die
Menschlichkeit beteiligen, vor dem internationalen Gerichtshof
angeklagt werden.
2. Konsequenz
Wir müssen uns eingestehen, dass unsere viel gepriesene Demokratie
dringend zu einer wirklichen Demokratie weiter entwickelt werden muss.
Wenn hier in Deutschland weiterhin in eine Technik investiert werden
kann, die die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ablehnt,
dann haben wir noch keine wirkliche Demokratie.
Wir müssen uns eingestehen, dass wir uns belügen, wenn wir
uns einbilden, dass bei uns alle Staatsgewalt vom Volke ausginge.
Daraus ergibt sich als - 3. Konsequenz
- die Verpflichtung, sich mit der unbequemen Frage zu
beschäftigen, wer hier in Deutschland eigentlich an der Macht ist.
Wir müssen verstehen lernen, wie Macht funktioniert. Und wir
müssen dafür sorgen, dass sie kontrolliert wird und dem Wohl
der Allgemeinheit dient, nicht dem Wohl der Konzerne. Nur wenn wir
diese Aufgabe gemeinsam anpacken, haben wir die Chance, sie zu
bewältigen.
Es gibt aber auch viel, was jeder einzelne tun kann. Drei konkrete
Schritte möchte ich Ihnen vorschlagen. Es sind kleine Taten und
doch haben sie die Kraft, die Welt zu verändern:
- Werden Sie ein kritischer Stromverbraucher. Wechseln Sie zu
einem Stromanbieter, der keinen Atomstrom im Programm hat.
- Werden Sie ein kritischer Konsument. Kaufen Sie nur Produkte,
die auf menschenwürdige Weise hergestellt sind und die fair
gehandelt werden.
- Werden Sie ein kritischer Zeitgenosse. Informieren Sie sich
nicht nur über die gängigen Medien, sondern mit der Hilfe von
Zeitschriften und Büchern.
Tauschen Sie wichtige
Informationen mit Ihren Freunden aus, wirken Sie als Aufklärer.
Dabei möchte ich Sie auf eine "neue Tugend" hinweisen, um die wir
uns bemühen sollten: Die "Tapferkeit vor dem Freund". Sagen Sie
Ihren Freunden auch dann was Sie denken, wenn Sie nicht einer Meinung
sind. Engagieren Sie sich bei vernünftigen Projekten - es gibt
genug davon.
Uns ist das Geschenk des Lebens nicht genommen worden, wie den Opfern
von Hiroshima und Nagasaki. Dieses Geschenk ist aber auch eine
Verpflichtung, die Verpflichtung, sich für eine lebensfreundliche,
gerechte und friedliche Welt einzusetzen.
Friede wird uns nicht geschenkt. Friede muss hart erarbeitet werden,
denn Friede ist die Frucht der Gerechtigkeit. Nur wenn wir uns mit
aller Kraft für Gerechtigkeit einsetzen - und zwar weltweit -
dürfen wir auf Frieden hoffen.
Ich danke Ihnen.
Mechthild von Walter Stadträtin der ödp im Münchner
Stadtrat.