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Ostermarsch München 2008 - Richard Forward

Walter Listl * Angelika Lex * Paul Kleiser * Siegfried Benker

Rede zum Ostermarsch-Auftakt am 22.03.2008 auf dem Orleansplatz

Fünf Jahre Irakkrieg!

Richard Forward Munich American Peace Committee

Der Krieg in Afghanistan dauert nun schon länger als der 2.Weltkrieg. Bald dauert auch der Krieg in Irak länger als dieser Katastrophe. Der Krieg in Libanon ist nicht beendet. Der Krieg in und um Israel/Palästina dauert über 40 Jahre und setzt sich fort. Der Krieg in Iran steht bevor....wenn die grosse Mehrheit der Menschen sich nicht den Frieden durchsetzt.
Die Kriege im Nahen Osten und anderswo brachten und bringen alle Beteiligten, mit Ausnahme der allen Reichsten, nur Tod, Elend, Zerstörung, Vergiftung, ökonomische und finanzielle Ruin. Sogar die sog. "Aufbauarbeit" in Afghanistan gibt es nicht, es sei denn man würde die Steigerung der Schlafmohnproduktion von 3%(2000) auf 94% des Weltbedarfs als tolle Innovation bezeichnen. Irak ist zerstört, ob W. Bush diese Tatsache breit macht oder nicht. Israel ist mit Staatsschulden, Arbeitslosigkeit, Armut und Zerstörung geplagt; Palästina steht am Rande der Vernichtung. Die USA stehen am Rande eines enormen wirtschaftlichen und moralischen Abgrunds.
Und was sagt George W. Bush dazu? "Es lohnt sich." (Nicht mehr, "Mission Accomplished!") Was sagt Richard Cheney dazu? "Unsere Politik ist richtig." Was sagt John McCain, Republican-Kandidat? "Wenn nötig werden wir noch 100 Jahre kämpfen!"

Für diese Kriegsverbrecher sei es richtig, über eine Million ermordete Irak Zivilisten, unzählbare Verletzten und Kranken zu verursachen und ein armes Land zu zerstören. Für diese durch Betrug eingesetzten Diktatoren lohnt es sich über 4.000 der eigenen Bürger, Militärs und darüber hinaus wieder Tausende von Söldner in den Tod zu schicken. Es lohne sich, Irak mit 150.000 Berufssoldaten und 150.000 privaten Söldner zu besetzten und denen freie Bahn zum Töten, Foltern, Zerstören und Plündern zu geben. Und es würde sich lohnen diese Politik fortzusetzen. Wahnsinnig!

Und was erklärte Kanzlerin Merkel dazu?
"Die Auslandseinsätze der Bundeswehr dienen unserer eigenen Sicherheit. ?Die Handlungsfähigkeit und der enge Schulterschluss von transatlantischem Bündnis und europäischer Union ist für Deutschland von existenzieller Bedeutung?.?
Nein! Wir sagen, "Nein!" Jetzt, auch. Sagen wir das hier, laut, "NEIN!"

Bei "wir", meine ich auch, über 80 % der Bundesbürger. Bei "wir", meine ich, über 65% der U.S.-Bürger. Bei "wir", meine ich, die Aktiven die heute, gestern, vor gestern und in der letzten Zeit immer mehr und immer sichtbarer für den Frieden auftreten. Die müssen es offensichtlich lauter und effektvoller sagen!

Aus den USA, dieser Woche haben zwei grosse Bewegungen Eindruck gemacht.

Das erste Ereignis fand vom 14. bis zum 16. März statt. Hunderte von Irak-Veteranen einigten sich in Silver Springs, Maryland, zum "Winter Soldier" Treffen,. Unterstützt von Vietnam Veteranen, haben, zum ersten Mal seit Anfang des Irakkrieges, Verweigerer, Widerstandler, Deserteure gemeinsam aus direkten Erfahrungen, über ihren von oben bis zum President organisierten und befordeten Verbrechen berichtet. Die einst von Patriotismus und Idealismus begeisterten Offiziere und Soldaten haben beschrieben, was dieser Krieg, und andere Kriege bedeuten. Die Veteranen haben berichtet, wie sie Zivilisten ermorderten, Dörfer ausradierten, Menschen gedemütigten. Sie haben ausgedruckt, wie sie ihre Menschlichkeit verloren hatten, und zum Teil, durch Verweigern, zurück gewonnen haben. Die Geschichten sind im Internet zu hören, und sind erschütternd. Die Veteranen und andere Konferenzteilnehmer haben verlangt, dass das Gemetzel ab sofort gestoppt und die U.S. Truppen aus Irak abgezogen werden.

Das zweite Ereignis fand gestern und vorgestern überall in den USA (und eigentlich in der ganzen Welt, sogar, ja, auch hier in München!) statt. Nicht Hunderte von Leuten, wie die Medien hier berichteten, sondern Tausende Menschen in Hunderten von Städten demonstrierten in Andenken an den 5. Jahrestag des Anfangs des offenen Krieges in Irak. Studenten an mehreren Universitäten haben kurz vor den Osterferien Streiks, Verweigerungen, Demonstrationen organisiert. Wegen der Zivilungehorsamkeit haben die Polizei Hunderte von engagierten Teilnehmern verhaftet. Das Bewusstsein von Zivilcourage wächst.

Der Widerstand ausserhalb und auch innerhalb des U.S.-Militärsystems steigt. Zur Beendigung des Vietnam-Krieges, zusammen mit dem Aufstand der Zivilbevölkerung, war die Schwächung des Militärsystems von innen ein grosser Faktor. Widerstand innerhalb des militärischen Systems ist genau so wichtig wie damals, für die Beendung der Nahost- und anderer Kriegsinterventionen, ob ausgeübt von den USA oder von anderen Ländern, wie z.B. der Bundesrepublik Deutschland.

Von uns: Wir in unseren Dachorganisation, American Voices Abroad und in München, im Munich American Peace Committee, wir, hier in Europa, mit dem AVA Military Project und GI-Rights Hot Line, in Zusammenarbeit mit anderen Unterstützungsorganiza­tionen wie "Military Counseling Network", "Courage to Resist", helfen G.I.'s und deren Familien in deren Belangen, den Kriegsdienst zu verweigern, einen gerechten Frieden zu erreichen. Auch Dank unserer gemeinsamen Hilfe, ist jetzt Army Specialist AGUSTIN AGUAYO, ein inzwischen weltweit bekannter Kriegsdienstverweigerer, nach relativ kurzer Zeit, aus dem Militärgefängnis entlassen worden. Vielen von euch haben unsere Unterstützung von Chris Capps bereits erfahren.

Natürlich, ohne die Unterstützung von der Friedensbewegung, besonders die hier in München wäre unsere Arbeit noch schwerer.

Aber die Militärische-Industrielle-Staats-Komplex schläft nicht.

Und die Unterstützung der deutschen Regierung für die U.S.-Kriegspolitik schläft auch nicht.

Wir haben neulich erfahren, dass ab dem 28. März von Baumholder, einer pfälzischen Kleinstadt, nordwestlich vom Kaiserslautern, 3.800 frische, 18 bis 19 jährige junge U.S. Soldaten nach Irak geflogen werden sollen. Aus der "Garnisonstadt", wie es in der Stadtwerbung steht, von einer U.S. Truppenübungsplatz mindestens zwei Mal so gross wie die Stadt Baumholder, werden neue Verstärkung und Opfer für die Bereicherung der Rüstungs- und Mineralölindustrie nach Irak gesendet. Mit Benutzung der Schienen und Waggons der Deutschen Bahn, werden auch Waffen, Panzer und "Humvees" auch in den illegalen Krieg geschickt. Mit Genehmigung der Bundesregierung. Mit Genehmigung und Verdienst der Deutschen Bahn AG.

Von hier aus, und durch Kontakt mit Friedensinitiativen und American Voices Abroad versuchen wir die G.I.?s dort über ihre Rechte zu informieren, über ihre Möglichkeiten den illegalen Kriegseinsatz zu verweigern. Durch die, mit Hilfe der Deutschen Friedensgesellschaft, verteilten GI-Rights Hotline-Information, wollen wir den Soldaten dort zur Selbsthilfe unterstützen. Schwer. Wir brauchen eure Unterstützung!

Noch dazu: viele U.S. Verweigerer beantragen in Kanada Asyl, wie damals im Vietnamkrieg. Jedoch heute verweigert die Regierung den Asylsuchenden Fluchtlingsstatus zu geben und bedroht die Betroffenen mit Verhaftung bzw. Abschiebung. Gemäss den Statuten der Vereinten Nationen: "Soldaten, die sich weigern, in Kriegen zu kämpfen, die von der internationalen Gemeinschaft verurteilt werden, weil sie nicht mit den Standards des menschlichen Verhaltens zu vereinbaren sind, sollten als Flüchtlinge anerkannt werden." Lesen Sie unser Flugblatt und den Brief an die Kanadische Regierung; nehmen Sie eine Kopie davon mit; schicken Sie den unterschriebenen Brief per Luftpost an die angegebene Anschrift. Kopien davon verteilen wir auch heute.

Viel zu tun. Packen wir es an! Jetzt möchte ich ein paar Zitaten von einem ehemaligen CDU Mitglied des Bundestags bringen. Vielleicht könnte Angela Merkel ihn als Berater anheuern. Sie braucht solche Hilfe, obwohl sie bestimmt dies noch nicht weiss. So...Jürgen Todenhöfer:

"Man kann Völker nicht ständig demütigen. Erst wenn wir die muslimischen Länder genauso fair behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen, werden wir den Terrorismus überwinden."

Nichts fördert den Terrorismus mehr als die Antiterrorkriege des Westens.

Auch ein Konservativer hat gesehen, dass wir nur durch Frieden, ohne den Einsatz von Soldaten, die Zerstörung der Vergangenheit wieder ein wenig korrigieren können. Wir haben eigentlich keine Feinde, und wir können und wollen keine Freunde besiegen. Aber wir können mit denen verhandeln. War, ist und wäre ein guter und erfolgreicher Weg.



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