Zwei Stimmen zum Motto der
diesjährigen Friedensdekade:
„Die
Welt von morgen wird - ja muss eine Gesellschaft sein, die sich auf
Gewaltfreiheit gründet. Dies mag ein entferntes Ziel sein, ein
unpraktisches Utopia. Aber es ist nicht im Geringsten unerreichbar, da
man dafür hier und jetzt arbeiten kann. Ein Einzelner kann den
Lebensstil der Zukunft praktizieren, in Gewaltfreiheit, ohne auf andere
warten zu müssen. Und wenn es ein Einzelner kann,
können es nicht auch ganze Gruppen, ganze Nationen?“
Mahatma Gandhi
„Es
gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede
muss gewagt werden, ist das eine große Wagnis, und
lässt sich nie und nimmer sichern. Friede ist das Gegenteil
von Sicherung. Sicherheiten fordern heißt Misstrauen haben,
und dieses Misstrauen gebiert wiederum Krieg.“
Dietrich Bonhoeffer
Große Worte. Sind sie auch realistisch? Versuchen wir, uns
vorzustellen, was „Frieden riskieren“ in
Afghanistan bedeuten würde:
- Es könnte bedeuten, dass die vorliegenden
Friedenspläne (z.B. von Herbert Sahlmann, ehemaliger
Entwicklungsbeauftragter des BMZ, oder von Andreas Buro,
Friedensforscher, Aachener Friedenspreis 2008) ernsthaft auf ihre
Realisierbarkeit überprüft werden.
- Es könnte bedeuten, dass man auf die
Fähigkeit des afghanischen Volkes und seiner Nachbarn
vertraut, ihren Weg zum Frieden zu finden, der nicht unser Weg sein
muss, der aber aus ihrer Kultur und Tradition kommt, wie es der
afghanische Politikwissenschaftler Matin Baraki fordert.
- Es könnte bedeuten, dass nicht die
„Terroristen“ bekämpft werden, sondern die
Ursachen des Terrorismus.
- Es könnte bedeuten, dass die Mittel
für den Krieg für den Wiederaufbau des
Landes einsetzt werden. Diese Forderung wird besonders
drängend, da wegen der Missernten aufgrund des trockenen
Sommers im Zentrum und im Norden des Landes etwa 9 Millionen Menschen
von Hungersnot bedroht sind.
- Es könnte bedeuten, dass die Politiker das
Gespräch mit dem gesprächsbereiten Teil der Taliban
– die ja lange Zeit von den USA gestützt wurden
– suchen.
Utopisch? Riskant? Unrealistisch? Es käme auf die Bereitschaft
an, umzusteuern und eine gewaltfreie Lösung des Konflikts
anzustreben.
„Die Utopien von heute sind die Realitäten von
morgen“, so sagte Herbert Wehner, der gewiss kein weltfremder
Träumer war!
Genau hier beginnt auch unsere Aufgabe als Zivilgesellschaft, uns
einzumischen, unsere Forderungen und Alternativen zu formulieren.
Dass eine solche Einmischung erfolgreich sein kann, zeigt zum
Beispiel die Kampagne zur Ächtung von Landminen: sie
kann Fortschritte vorweisen, muss aber weitergeführt werden.
Das Programm der Friedenswochen umfasst wieder eine breite Spanne von
Aktivitäten und Themen. Neben der Information und der
Auseinandersetzung wird es auch Vorschläge zum Aktiv-Werden,
also zur Einmischung geben.
Weitere Veranstaltungen werden auf aktuelle Ereignisse
reagieren und stehen daher noch nicht im Programm. Sie werden u.a. in
der Tagespresse und im Internet angekündigt.
Wir laden alle am Frieden Interessierten ein, unsere Angebote
wahrzunehmen und so einen Beitrag zum Frieden zu leisten. |