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Roadmap & Roadblock Teil 1, Teil2

Günter Wimmer, Roadmap & Roadblock, Teil 3

Roadmap

In die Zeit unserer Reise und danach fiel die im Nahen Osten und auch in Deutschland endlich etwas breiter geführte Diskussion: Wird der vom "Quartett" (USA, UN, EU und Russland) vorgegebene Friedensplan die ersehnten, überfälligen Chancen eröffnen oder wird er wie eine Unzahl von Plänen vorher nur wieder enttäuschte Hoffnungen zurück-lassen?

Die sog. RoadMap (Straßenkarte oder deutsch meist als Fahrplan übersetzt) war gegen Ende 2002 "bekannt" geworden, wurde aber erst etwa ab April publiziert, ist auf der homepage des deutschen Außenministeriums (www.auswaertiges-amt.de) als nicht kopierbare pdf-Datei verfügbar. Die sechs Seiten können z.B. beim für den Nahen Osten engagierten Karmelitenorden erbeten werden (Karmelitenkloster Springiersbach, Karme-litenstr. 2, 54538 Bengel-Springiersbach; Karmel.Springiersbach@t-online.de).

Ziel ist "eine endgültige und umfassende Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts bis 2005". Die "Phase I: Beendigung des Terrors und der Gewalt, Normalisie-rung des Palästinensischen Lebens und Aufbau palästinensischer Institutionen" sollte "bis Mai 2003" abgeschlossen sein. "Phase II: Übergang" sollte von Juni 2003 bis Dezember 2003 gehen, und "Phase III: Vereinbarung über den endgültigen Status und Ende des Israelisch-Palästinensischen Konflikts" war vorgesehen für 2004 und 2005. Beide Seiten sind also bereits in Verzug.

"In Phase I verpflichten sich die Palästinenser dazu, mit den unten dargelegten Schritten umgehend und bedingungslos die Gewalt einzustellen; unterstützende Maßnahmen von Seiten Israels sollten hiermit einhergehen". Die nicht im Original, sondern von mir kursiv gesetzten Verben erscheinen mir symptomatisch: Es findet sich für die eine Seite sehr viel "muss", "hat zu" und ähnliches, die andere Seite hat mehr unverbindlichere Vorgaben. Dennoch "unterlässt" die israelische Regierung (dies ist eine Muss-Bestimmung!) auch bereits in der ersten Phase "alles, was das Vertrauen untergraben könnte, darunter Ausweisungen, Angriffe auf Zivilisten, Beschlagnahme bzw. Abriss palästinensischer Häuser und palästinensischen Eigentums als Strafmaßnahmen oder zur Erleichterung israelischer Bautätigkeit, Zerstörung palästinensischer Institutionen und Infrastruktur sowie andere Maßnahmen, die im Tenet-Arbeitsplan genannt sind" (Nr. 5).

Die Palästinenser beginnen mit dem Einzug illegaler Waffen (Nr. 4) und verpflichten sich zur Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfs, sowie freie, gerechte und ergebnisoffene Wahlen abzuhalten; Israel zieht sich "aus den seit dem 28. September 2000 besetzten palästinensischen Gebieten zurück, und beide Seiten stellen den damaligen Status quo wieder her" (Nr. 10). "Israel stellt ferner in Übereinstimmung mit dem Mitchell-Bericht jede Siedlungstätigkeit ein" (Passage vor "Zu Beginn der Phase I"). "Die israelische Regierung baut umgehend Siedlungsaußenposten ab, die seit März 2001 errichtet worden sind" (Nr. 24)

Von vielem konnte nach unseren Beobachtungen keine Rede sein, und zuverlässige Mails seither sprechen ebenfalls eine ganz andere Sprache. An Checkpoints wird weiter-hin drangsaliert, Häuser werden besetzt ... Die Bevölkerung spürt keinerlei Verbesse-rungen. Die "Räumung von Siedlungsaußenposten" scheint mir bezeichnend: Hier ist auch für die israelische Seite etwas "bedingungslos" formuliert. Und obwohl ja der Status quo Ende September 2000 unerträglich war, die Roadmap also den Palästinensern enorm viel abverlangt, lügt nun Scharon, indem er sagt, es müssten nur die "illegalen" Sied-lungen geräumt werden (S. 9 1. Abs. unten). Und die fernsehwirksam "durchgeführte" "Räumung" ganz weniger unbewohnter (!) "Siedlungen" wurde, wie uns glaubhaft übermit-telt wurde, sofort nach Abschalten der Fernsehkameras beendet ... Ich hätte viel Verständnis, dass Israel auf Entwaffnung drängt – Aber Gewalt so einseitig definieren?!

In Phase II ist eine Erste, in Phase III eine Zweite Internationale Konferenz vorgesehen: Zur ersten: "... Zielvorstellung eines umfassenden Friedens im Nahen Osten (auch zwischen Israel und Syrien sowie zwischen Israel und Libanon) ...", "Wiederbelebung des multilateralen Engagements zu Themen wie z.B. regionale Wasserressourcen, Umwelt, Wirtschaftsentwicklung, Flüchtlinge und Fragen der Rüstungskontrolle ..."

Zur zweiten: "... auf der Grundlage der Resolutionen 242, 338 und 1397 des VN-Sicher-heitsrats eine letztgültige und umfassende Vereinbarung über den endgültigen Status ... beendet auch die Besatzung, die im Jahr 1967 begann, und beinhaltet eine einvernehm-liche, gerechte, faire und realistische Lösung der Flüchtlingsfrage sowie eine auf dem Verhandlungsweg erzielte Klärung des Status von Jerusalem (...) souveränes, unabhän-giges, demokratisches und lebensfähiges Palästina..."

Viele sehr gute, wichtige, ja für das Zusammenleben der Völker überlebensnotwendige Ziele, die damit zum Teil erstmals nicht nur von der Friedensbewegung, sondern "offiziell" benannt wurden! Insofern ein großer Fortschritt. Aber der Israeli Uri Avnery stellt (Frie-densForum 2/2003) nach solcher Analyse schnell fest: Es bleibt ein riesiges "klaffendes Loch: Es sagt nicht, was die Grenzen des zukunftigen palästinensischen Staates sein sollen, weder explizit noch implizit. Die Grüne Linie wird nicht einmal erwähnt. Ariel Sharon spricht über einen palästinensischen Staat in 40 % der ‘Territorien’ – was weniger als 9 % zur Zeit der britischen Mandatsherrschaft entspricht. Glaubt jemand, dass dies Frieden bringen wird?"

Weitere Avnery-Positionen: "... Die Amerikaner haben ein Veto, was heißt, dass Sharon ein Veto hat (...) Man möge sich erinnern: In den Osloer Abkommen waren viele Daten festgelegt, und fast alle wurden überschritten (gewöhnlich durch die Israelis) (...) Glaubt jemand, dass Abu Mazen die Angriffe von Hamas und Jihad beenden kann, ohne ein wirk-liches politisches quid pro quo [d.h. ohne angemessenen Ersatz. Wi] und während sich die Siedlungen ausdehnen? ... " Avnery kam nach positiver Einschätzung hinsichtlich der Ziele zum Ergebnis "Eine Straßenkarte ins Nirgendwo. Oder: Viel Lärm um nichts".

Wie können wir damit umgehen? Wenn wir uns vom schönen Schein blenden lassen, lassen wir die Schwächeren in diesem Machtkampf erneut alleine. Wenn wir gar keine Hoffnung mehr sehen, ebenfalls! Nötig scheint mir, das nun mal vorliegende, wenn auch in vielen Punkten ungerechte Ausgangspapier zu nutzen: Als (z.T. Zwischen-) Zielbestim-mung, als Ermutigung zum Erarbeiten gerechterer Details, als streckenweise schlechte (aber besser als nichts!) "Etappe" zum Entwickeln und vor allem Praktizieren vertrauens-bildender Maßnahmen. Der politische Wille dazu muss zweifellos erst noch entwickelt werden: learning by doing! Hamas (übrigens zunächst von Israel gefördert, jetzt meist als "Terrororganisation" attributiert) und Jihad verlieren an Einfluss, je mehr das Volk wirk-liche Fortschritte wahrnimmt. Und alle (!) Regierungen müssen wissen, dass der Interna-tionale Strafgerichtshof auch sie einmal belangen können wird. Dazu bedarf es eines immensen "Lerneifers" insbesondere der US-Regierung! Und wir alle dürfen nicht aufge-ben, entschiedeneren Druck (das ist nicht Gewalt!) auf unsere Regierungen auszuüben. Also kein einfacher Weg ...

Shalom und salam!

Frieden in zwei verwandten Sprachen, hebräisch und arabisch. Und doch in vielem so weit auseinander – Wenn "man" sich nicht der gemeinsamen Wurzeln besinnt... Und die Wurzel des Friedens ist Gerechtigkeit! Frieden "geht" nur mit dem anderen, nicht gegen oder auch nur ohne den anderen. Mit dem anderen heißt aber auch, seine Verlet-zungen, Lebensbedingungen, Ängste, Zorn, Enttäuschungen, Hoffnungen, Lösungsvor-stellungen etc. mit einbeziehen. Sich damit auseinandersetzen. Sie vielleicht für falsch halten und – wenn sie nicht nur für falsch, sondern "verheerend" eingeschätzt werden – , daher um richtigere, günstigere Sichtweisen und Wege ringen. Aber sie wahrnehmen! Von den eigenen Erfahrungen, Wünschen etc. (natürlich auch die nicht verdrängen!) und denen des anderen ausgehen. Damit auch die bisher blinden Flecken der eigenen Geschichte wahrnehmen, die Verletzungen, die dem anderen geschlagen worden sind, genauso als Ausgangspunkt für Überlegungen machen, wie die eigenen...

"Shalom ohne Salam gibt es nicht – und umgekehrt!", das sagte ich einmal einer Dame in München, die meinen shalom-salam-Button sah und gerne einen solchen, "aber nur mit shalom" haben wollte.

Das gleiche – nur andersherum – musste ich später einem Palästinenser sagen ...

Gespräch 24.5. abends mit dem oben schon erwähnten Soldaten in Jerusalem (sie waren in Schwärmen auf bestimmten Straßen und Plätzen). Ich meinte im Gespräch irgendwann, auch Checkpoints und Roadblocks seien "Terrorismus". Das konnte er nicht verstehen, wie ich auf eine solch absurde Idee käme. Ich sagte, dortige Willkür, Ausgeliefertsein verursache Schrecken und Leid, nehme Menschen Lebens-möglichkeiten. Er fragte, nein: sagte mehr darauf, "how many suicidbomber were kept away?!", meinte also, dass sie viel Leid verhindert haben. Wie erwähnt schilderte ich ihm auch meine Erfahrungen an Checkpoints und Roadblocks, dass die keine Sicherheit bringen können. Dann nochmals konkret auf seine Bemerkung zurückkommend: Und wie viele Attentäter wurden erst durch die andauernde Demütigung, Behinderungen etc. dazu angestoßen? – "But there are terrorists in Jenin and Balata". Die Vorstellung steckt tief, diese Orte könne man eigentlich nur "eliminieren" (ein Wort mit schrecklicher Vergangenheit), weil sie so gefährlich seien. Er war erstaunt, zu hören, dass ich in beiden Orten war. Und zumal, dass ich mit einer US-amerikanischen Jüdin (Judy), sie mit einem nicht wuchtigen, aber klar erkennbaren Davidsstern am Brustkettchen, im riesigen Flüchtlingslager Balata und im übrigen Nablus kreuz und quer herumgegangen war und sie nicht einmal bedroht wurde. Im Gegenteil wurde auch ihr überwiegend sehr freundlich, ja freudig begegnet (Etwa: Es gibt Men-schen, denen man nicht gleichgültig ist, die uns nicht alleine lassen ...). Natürlich erlebte auch sie Vorurteile gegen Juden, aber sie ging konstruktiv damit um, konnte die Vor-Ur-teile meist als eben unfertig und simplifizierend, z.T. einfach grund-falsch erfahren lassen ... Richtig glauben mochte es "mein" Soldat wohl nicht. Immerhin konnten wir uns mit Handschlag voneinander verabschieden. Aber er hatte, hätte ich denn Böses vorgehabt, nichts zu befürchten: Sein Kollege hatte mich gut im Blick, das Schnellfeuergewehr griffbereit. Und mein Gesprächspartner hatte in anderer Gesprächsphase stolz verlautet: "In one second we have to be able to shoot". Da ist dann oft nicht Zeit zum Nachdenken...

Um nicht missverstanden zu werden: Ich könnte nicht ausschließen, dass Judy, käme sie zufälligerweise an einen der nicht "nur" zutiefst verletzen, sondern auch inzwischen hass-erfüllten potentiellen Attentäter, auch gefährdet sein könnte. Sie weiß natürlich, dass es auch solche Menschen gibt und Vorfälle gab. Aber sie ließ sich dadurch nicht "abschre-cken", ging mit bewundernswerter Offenheit und erfuhr entsprechendes zurück. Wichtig war sicher auch ihre Klarheit in der Kommunikation: So konnte sie, wenn ihr etwas miss-fiel, dies auch präzise sagen – aber ohne zu verallgemeinern, ohne falsche, nämlich den anderen klein-machende Entrüstung... Sie strahlt Würde aus und kann sie dem anderen lassen!

Ängste bei anderen Juden (wie bei Menschen auch anderer Glaubensrichtungen) sitzen oft so tief. Sie haben auch einen realen Kern! Aber die Größe der Ängste hat mit der jetzigen wirklichen Bedrohungslage längst nichts mehr zu tun. Nur: Wenn Regierung und die erdrückende Mehrheit der Medien lange genug entsprechend "informieren", glaubt es die Mehrheit (bei uns ist das nicht anders). Allerdings: Die Tageszeitung Haaretz berichtet sehr sachlich von Anschlägen gegen Israelis und von der Gewalt gegen Palästinenser (Letzteres nimmt mehr Raum in Anspruch!). Es gibt auch eine eng-lischsprachige Ausgabe. Haaretz könnte jeder lesen. Aber Reuven Moskovitz, jüdischer Israeli in Jerusalem (S. 5, Fn. 2), sagte vor 1 Jahr telef. zu mir: "Die meisten in meinem Volk interessiert es nicht, wie es den Palästinensern geht". Shalom ohne Salam?

Frieden ist wahrlich kein leichtes Geschäft. Es wird auch immer wieder Rückschläge geben. Aber wer nicht nur ein erhebliches Zurückdämmen, sondern wie etwa Bush oder Scharon ein völliges Ausrotten des Terrors verspricht, ist m.E. schon "totalitär" und noch nicht wirklich frie-densfähig.

Frieden braucht deutlich mehr als nur militärische "Lösungen", meist gänzlich andere:

Hoheitliche Gewalt kann, wenn sie genauestens legitimiert, reflektiert und kontrolliert ist, wenn sie von einem dazu befugten Gremium bzw. einer entsprechenden Institution ausgeübt wird, (und muss dann manchmal) andere Konfliktlösungsbemühungen zeitweise unterstützen, aber nie ersetzen. Innenpolitisch sind das Polizei und Justiz, aber da hapert es noch – nicht nur, aber eben auch in Deutschland, Israel, USA ...

Die dafür bestimmte internationale Institution wäre auch schon erfunden, nur ist sie noch schlechter strukturiert und ausgestattet und wird immer wieder von mächtigen Staaten miss-braucht: Wir brauchen eine demokratisierte, also eine erheblich umgebaute und gestärkte, nicht mehr von einzelnen Ländern dominierte UNO.

Und – "Doppelstrategie" – wir können nicht nur von anderen, auch nicht nur von "Oben" Lösungen erwarten, wir brauchen natürlich auch mehr Selbst-Verantwortung sogenannter "einfacher" Menschen (ob "Bürgerliche" oder "Anarchisten" usw. usf., jedenfalls aber Leute, die andere als Gewaltlösungen fordern und auch praktizieren, so schwer uns allen dies fällt).

 

Ist ISM, ist ein solcher Einsatz sinnvoll?

Eine Art Zusammenfassung

Was konnten/können wir schon tun? Diese Frage höre ich auch sonst immer wieder. Ich rege dann an, einfach schon mal das Wörtchen "schon" wegzulassen ... Das befreit! Aber wir müssen uns tatsächlich auch fragen: Ist das den doch beträchtlichen Aufwand wert? Machen wir uns selbst etwas vor?

· In jener Nacht, als Andreas und die Khilfe-Familie das erleben mussten, musste auch eine andere Familie das durchmachen, verlor ebenfalls ihre Wohnung. Sie wurde dabei auch noch geschlagen. Natürlich wissen wir es nicht, ob es dort "einfach" noch rauere Soldaten waren oder ob die Anwesenheit eines immerhin internationalen Zeugen dies wenigstens den Khilfe-Leuten ersparte. Etliches spricht für Letzteres.

· Können wir durch unser Mit-Dabei-Sein vielleicht darüber hinaus sogar bei-tragen, dass sich in den Khilfe-Kindern (und vielen anderen) der Schmerz und Zorn nicht in (töten wollenden) Hass verwandelt? Es wird gewiss mehr dazu brauchen. Aber wahrscheinlich eben auch Andreas’ und unsere aller Beistand.

· Wenn an einem Checkpoint, an dem wir ausschließlich beobachtet hatten, eine Palästinenserin mit jener Betonung "schukran" sagte, dann ist offenbar – so wenig es ist –schon das Da-Sein eine Hilfe und wird auch dankbar festgestellt. Ich denke mir immer, wie es uns ginge, wenn uns dermaßen Unrecht geschähe und die Welt würde es nicht einmal wahr-nehmen.

· Wenn wir uns dann zur Intervention am Checkpoint entschlossen und einem Lehrer ermöglichen konnten, dass er nachhause zu seiner Familie gehen durfte, dann haben wir uns nicht nur mit ihm gefreut, sondern dann war dies ein – freilich winziger – Beitrag zu mehr Recht und Gerechtigkeit.

· Wenn wir bei der nächsten Intervention für die Arbeiter dies nicht erreichten: War dann der Versuch sinnlos, oder doch wenigstens notwendig? Werden die Arbeiter dann auf unseren Versuch pfeifen, oder sind sie froh, dass es eben wenigstens wer versucht hat?

· Wenn das israelische Militär und die Regierung derart rigoros auf ISM losgehen, buch-stäblich Zuflucht suchen im "permit to kill", dann ist das schlimm, aber es entlarvt auch.

· Wenn der Mossad bei meiner Ausreise derart intensiv (dahinter steht doch letztlich: eng = ängstlich!) nachforschte, wo denn nun dieser Israel-Besucher war, dann zeigt dies hinter der äußeren Macht und der "Enge" ihres Verhaltens Ängstlichkeit. Mit Sicherheitsaspekten ist nicht erklärbar, dass so nachgefragt werden musste, mit wem ich zusammengetroffen ist, warum ich in Jenin war. Nur letzteres ließ ich aus einem bestimm-ten Grund "heraus", musste dann aber zum Schutz der "wirklichen" Leute weiter lügen, was mir sehr schwer fiel, was sie wiederum ahnten, mir aber doch nicht nachweisen konnten. Mir erscheint dieser Zwang zur Lüge fatal (Ich wollte nicht ein Einreiseverbot riskieren, also nicht die Chance verlieren, wieder nach Palästina und Israel reisen zu können! Dazu sind mir beide zu lieb und wichtig geworden).

Alles keine riesigen "Punkte". Dennoch: Z.B. Dieser Zwang, inklusiv Zwang zur Lüge, zeigt doch nicht nur, dass dort von Grundrechten (z.B. auf Freizügigkeit) mancher Men-schen nichts gehalten wird. Sondern dass sie viel mehr zu verbergen und zu befürchten haben, dass wir offenbar wichtiger sind, als es unsere unmittelbaren "Erfolge" zeigten.

In "unserer" Zeit fand übrigens eine Knesset-(also israelische Parlaments-)Aussprache über die ISM statt, und es gab Abgeordnete (natürlich der Opposition), die deren Bedeutung für auch die israelische Gesellschaft betonten, damit sich diese Unrechts-strukturen nicht allzu sehr in der Bevölkerung festsetzen. Denn sonst verroht eine Gesellschaft, gefährdet also nicht "nur" die anderen und den Frieden, sondern auch unmittelbar das Rechtsempfinden und Zusammenleben der Mehrheitsgesellschaft.

Wir möchten also werben: Erkundigen Sie sich bei ISM, IWPS (S. 6f.). Ggf. bei Gruppen wie der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe (so heißt sie in München, zu finden im EineWeltHaus. In einigen anderen Städten gibt es ähnliche, wozu o.g. Münchner Dialoggruppe ggf. auch Adressen nennen kann. Diese Gruppen wollen die Probleme zwischen Juden und Palästinensern konstruktiv bearbeiten, bitten also um Verständnis, dass hier nicht-jüdische und nicht palästinensische Deutsche eine andere, zusätzliche Problematik hereinbrächten, die es wert ist, anderenorts behandelt zu werden!). Überlegen Sie, ob solche internationale Solidaritäts-Bewegung auch für Sie in Frage kommen könnte. Ob Sie vielleicht auch Zeit, Kraft oder Geld in ISM und damit in ganz besonderer Form für Frieden und Versöhnung "investieren" wollen und können ...

Weil es allerdings, wenn auch selten, schon vorkam, dass wer mit u.E. problematischer Haltung hinfuhr, doch "sicherheitshalber": Das ist kein "Abenteuerurlaub", wo "man ‘was erleben will". Jeder Tag ohne Aufregungen wie röhrende Panzer etc. ist ein Tag, der den Menschen dort die Chance gibt, wieder näher hinzukommen zu der so schrecklich-fernen, aber doch notwendigen Normalität eines Lebens – ohne diesen schon Jahrzehnte währenden und immer wieder neuen Ausnahmezustand. So waren für mich auch belastender noch als die Momente der Angst und Gefahr die vielen vielen Erfahrungen, wo Menschen ausgeliefert sind und mit mehr oder weniger "feiner" Verachtung gedemütigt und in ihrem Leben behindert werden.

"Zugaben"

Kopftuch – wer ist womöglich intolerant? Gerade im Hinblick auf den bis in die deutschen Gerichte getragenen "Kopftuch-Streit", als seien Kopftuchträgerinnen mehr-heitlich islamistisch-intolerant: Ich erlebte x-mal Mädchen und Frauen, sichtlich jeweils Freundinnen, die eine mit Kopftuch und langem Kleid, die andere im Minirock o.ä.: Sie "konnten gut miteinander". Sie lebten – bei ganz unterschiedlicher Sozialisation etc. – offene Menschenzugewandtheit. Ich erlebte dort sehr viel Toleranz ... Wie "tolerant" sind wir, wenn wir Muslime z.B. wegen ihrer Kleidung, ihres Kopftuchs, "festlegen" auf angeblich "fundamentalistisch", "intolerant"... Das macht sich anders fest!

Rahels Grab (Rachels Tomb) Nur eine Episode, aber vielleicht "sprechend":

Andreas und ich kamen in Bethlehem mit einem sehr interessanten Palästinenser in Kontakt, mit gelbem Autokennzeichen und extra Ausweis privilegiert, weil er in Jerusalem eine deutsche Parteistiftung repräsentiert. Er meinte, er kenne Rahels Grab von früher, nun aber könne niemand außer den Soldaten und den ultraorthodoxen Juden hineinge-langen. Ich war, weil ich am selben Morgen wie auch im Jahr zuvor von israelischen Soldaten aus dem Friedhof vertrieben worden war, bisher offenbar von einem falschen Grab als Rachels Grab ausgegangen. Der Palästinenser schilderte es ganz anders: In einem Gebäude, das drumherum gebaut wurde, von der Soldaten-geschützen Friedhofs-mauer aus "innen" zugänglich... Ich war neugierig, meinte, wir sollten es doch einfach mal versuchen. Ihn würde es auch interessieren, wie es heute ist ... Wir fuhren in die Nähe.

Die hohe Friedhofsmauer ist dort mit Wachttürmen und mit zusätzlichen Sandsäcken und Maschinengewehren bestückt. Der Roadblock (hier sind es hohe Betonteile) an der uralten Hauptstraße Jerusalem – Hebron ("Siedlerstraßen" umgehen allerdings seit etlichen Jahren u.a. Bethlehem) fordert nicht nur ständige Umleitung des innerstädtischen Verkehrs, sondern bildet eine Sackgasse. Im unmittelbaren Schussbereich stehen Ge-schäfte und Wohnungen leer und verkommen. Wenn die ultra-orthodoxen Juden aus Jerusalem vom/zum Checkpoint hin oder zurückgefahren werden, wird sogar jeglicher Verkehr vom/zum Checkpoint gesperrt.

IPGA17

Es gibt einen Eingang, der ¬ Zugang natürlich gut einsich-tig vom Wachtturm. Innen biegt der Gang nach links, endet vor einer schweren Eisentüre. Wir klopften. Mehrfach. Durch die Türe die Fragen: Was wir wollen (zu Rahels Grab), warum, wer wir sind ... Offenbar Beratungen. Schließlich wurde die Türe aufgestoßen: Wir sahen in den Lauf eines Schnellfeuergewehrs, im Anschlag gehalten, gezielt auf den Kopf von einem von uns. Ebenfalls makaber-büh-nenreif aufgebaut ein zweiter Soldat mit Maschinenpistole in waagrechter Hüfthaltung auf den zweiten zielend, immer-hin "nur" auf die Leibmitte. Der dritte Soldat verhandelte. Schließlich hätten nur Andreas und ich rein dürfen. Der Palästinenser, hieß es auf unsere Intervention, "später". Wir sagten "Nein, wir bleiben beisammen, wir wollen jetzt alle drei hinein". Wir erreichten es tatsächlich. Am Grab selbst bzw. am stoffumkleideten Aufbau des tiefer liegenden eigentlichen Grabes beobachteten wir bei den dortigen Männern eine (wie es auf mich wirkte) Mischung aus dem frommem Gebet mit entsprechenden unterschiedlichen Körper-bewegungen und (viel ausgeprägter als an der Klagemauer in Jerusalem) ausgesprochen lässiger Haltung, leisen Randgesprächen etc. Nun sind Frömmigkeitsformen – ich möchte sagen GOTT SEI DANK – ja sehr unterschiedlich möglich.

Wichtiger war uns: Die Gesamtsituation wirkte wie ein komprimiertes Bild für große Teile der israelischen Bevölkerung. Welche Ängste! Wie buchstäblich eingemauert bzw. verschanzt! Aber alles (hier) unter der Attitüde des Intersses an Rachels Grab und der Selbstbehauptung und "notwendiger Verteidigung" und damit scheinbar gerechtfertigter "schamlos" demonstrierter Macht. Was wird alles dazu getan, dass solche Ängste auch irgendwie verständlich sind: Die Infrastruktur des Gegners wird blockiert und zer-stört, die in der Sicht vieler so gefährlichen Feinde werden in ihrem Leben so behindert, dass sie wegziehen (hier lokal: verlassene Geschäfte und Wohnungen, im Großen: das Ziel "Transfer") oder dass ein kleiner Teil derer, die tatsächlich "nichts mehr zu verlieren haben", Gewalt anwendet, vielleicht auch unter Einsatz des scheinbar wertlos gewor-denen Lebens ... und die Gewaltspirale läuft weiter, die "Sicherungsmaßnahmen" werden noch mehr ausgebaut ...

Wer war Rahel, warum wird sie so verehrt?

Lieblingsfrau Jakobs, anfangs unfruchtbar, später als Mutter Josephs und Benjamins (bei dessen Geburt gestorben) und damit als Stamm-Mutter und für Mutterschaft verehrt.

Rahels Grab ist nicht nur, wie z.B. bei Baedeker leider nur einseitig erwähnt, Heiligtum frommer Juden, sondern auch frommer Moslems! Auch wenn Grab-Pflege und das In-Ehren-Halten der Gräber bei Muslimen insgesamt offenbar nicht so stark verbreitet ist. Aber:

  1. Gläubige, aber nicht-ultraorthodoxe Juden kommen zu Rahels Grab (auch) nicht hin.
  2. M.E. bedeutsamer: Etwa beim Grab von David (Israels größter König, immerhin auch für fromme Juden noch bedeutsamer als Rahel) nahe dem Dormitiokloster in Ost-Jerusalem, gibt es weder Dauergebet noch "Mahnwache"! Dies hat aber nichts mit Sicherheitsfragen zu tun: Sogar im arabischen Viertel von Jerusalems Altstadt hängen an von Juden gekauften Häusern israelische Fahnen (was als Provokation wohl auch beabsichtigt ist) und gehen auch – bekannt-lich deutlich erkennbare – ultraorthodoxe Juden ständig hin und her ... Also: warum nicht David?
Gewiss wird etlichen Juden das Grab Rahels wirklich wichtig sein: Das wird jedoch erheblich überlagert durch die ständige Macht-Demonstration: "Wir haben hier zu bestimmen", und zwar nicht "nur" während der häufigen Besetzungen Bethlehems: Das israelische Militär hat hier immer einen Fuß in der Tür. Das Gelände zur Zone B gehörig mit ganz besonderen Vollmachten. Wenige Meter weiter beginnt die eigentlich voll autonome Zone A. Rahels Grab in Bethlehem in der Weise zu verehren ist religiös allein keinesfalls zu erklären, nur als Politikum!

Auszüge aus meinem Bericht 2002

(zur letztjährigen Friedensfahrt der kath. Zivildienstseelsorge München):

Sollen/dürfen/müssen Deutsche hier überhaupt "mitreden"?

Deutsche – Von deren Eltern–/Großelterngeneration und in deren Namen so schreckliches Unrecht erfolgt war. Verbrechen, deren Folgen vielfältig weiter wirken. In den letzten noch leben-den Zeitzeugen und in deren Kindern und Kindeskindern: trotz ihrer bewundernswerten Lebens- und buchstäblich Aufbauleistung, oft noch als – so verständliche – Ängste.

Deutsche, die wir es seit so vielen Jahren wieder nicht schaffen, uns mit den menschenver-achtenden rechtsradikalen Tendenzen vor allem in sogenannten "besseren Kreisen" (die machen mir noch mehr Sorge als die dumpfen Schläger) argumentativ und überzeugend so auseinander-zusetzen, dass die alten und neuen Nazis und ihre Anhänger sowie ihre "Ideen" und Taten wirklich auf ein ungefährliches Maß eingegrenzt würden.

Wir sind natürlich nicht "kollektiv" schuld, nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber ich gehöre zu denen, die wie seinerzeit Bundeskanzler Willy Brandt eine Kollektiv-Scham empfinden (Zumal, wenn noch heute manche meinen, nur "stolz" sein zu können, "ein Deutscher zu sein"...). Und: Wir sind mit–verantwortlich dafür, was wir daraus lernen. Und wie wir uns heute verhalten. Und was wir unwidersprochen geschehen lassen! In unserem Land. Und auch anders-wo.

So sind mir auch Stimmen jüdisch-israelischer Persönlichkeiten wichtig,

die uns auffordern, uns nicht wegen der tatsächlich unvergesslichen Schuld Deutscher "mundtot" zu stellen oder machen zu lassen; sondern vielmehr – aus der Erfahrung, dass allzu viele Deutsche bei den damaligen massiven Menschenrechtsverletzungen (teils aus Gleichgültigkeit, teils aus Angst, teils aus klammheimlichem Einverständnis) geschwiegen hatten, statt rechtzeitig für Menschen aufzuschreien und Partei zu ergreifen und sich dem Unrecht entgegenzustellen,–

wenigstens nunmehr zu reden, wo auch immer heute Menschen Gewalt erleiden und gedemütigt werden, wo Menschenrechte verletzt werden.

Dabei hoffe ich, dass es uns gelingt, den Mund so aufzutun, dass es nicht als Besserwisserei (zu der wir wahrlich keinen Anlass hätten) verstanden wird. Und ich hoffe, dass sich dahinter nicht ein Antisemitismus verbirgt, der nach meiner Beobachtung in unserem Land und in vielen Völkern leider nach wie vor allzu verbreitet ist. Gleichzeitig hoffe ich, dass aber notwendige Kritik nicht einfach als antiarabisch oder antijüdisch bzw. antiisraelisch "abgetan", sondern auch als Beitrag aufgenommen wird auf der hoffentlich gemeinsamen Suche nach möglichst gerechten, fried-lichen, gewalt- und angstfreien, menschenfreundlichen, zukunftsfähigen Verhältnissen und Lebensbedingungen.

Es war gut, dass unser erster Aufenthalt in Israel in Haifa.. war, der heute pulsierenden Industrie- und Hafenstadt. Etwa von oberhalb des Bahai-Gartens beim Blick über Hafen und Meer konnte ich sehr unmittelbar nachspüren: Dort kamen seit Beginn des Zionismus die Einwanderer an. Wir können ihre Gefühle – nach all den Qualen – wohl nur erahnen. Aber auch schon vor der Schoah: All die von unzähligen Vorfahren so vieler Generationen erlittenen Pogrome gleichsam im überschweren Gepäck! Jahrtausende lang hatten sich ihre Vorfahren nach einem Refugium, ja nach dieser Heimkehr gesehnt. Und welches unsagbare persönliche und familiäre Leid, welche kaum vernarbten körperlichen und seelischen Verwundungen steckten in so vielen Einwanderern! Für die Religiösen unter ihnen gleichzeitig auch Hoffnung, dass nun mit Bildung des Staates Israel die Ankunft des Erlösers in Sicht kommt (Dass manche Ultraorthodoxe wiederum den jetzigen Staat ablehnen, weil er erst nach der Ankunft des Erlösers entstehen könne, macht alles noch schwerer durchschau- und verstehbar, wäre aber auch buchstäblich ein anderes Kapitel).

Die so lange ersehnte alte/neue Heimat, Zuflucht, erhoffte Sicherheit... – die dann wieder so gefährdete Geborgenheit. Gleich unmittelbar nach der Staatsgründung 15.5.1948 wurde Israel ein Krieg aufgezwungen. Anfangs (!) der "Prototyp des Verteidigungskriegs". Freilich: Konnten und mussten sich nicht auch die Araber in ihrem "Lebens-Raum" (ein durch Deutsche, weil expansiv verwendet, so gefährlich gewordener Begriff) bedroht fühlen? Wo und wie begrenzen die Rechte des Anderen die eigenen Rechte? Was ist wirklich Verteidigung, ein Übergriff, ein Angriff? Und gab die Geschichte nicht (auch!) Juden und (auch!) Arabern recht und Recht(e)?! (Nach alter deutscher Rechtschreibung konnte man besser differenzieren, weshalb ich sie hier verwende) Insbesondere das Recht auf Leben und – wie es in der amerikanischen Verfassung formuliert ist – das Recht auf Glück. Oder u.a. Art. 1 der EU-Grundrechte-Charta besagt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen". Und wieso sollten die Araber büßen, dass die Deutschen den Einwanderungsdruck durch Juden derart erhöht hatten? Und die weiteren Kriege, 1956, 1967, 1973, 1982. Und die Raketen während des 2. Golfkrieges 1991, die auch jüngere Israelis (und Araber! Letztere ohne wenigstens relativen Schutz der Gasmasken) schon erleben mussten... (Was war Verteidigung? Angriff? Vorbeugungsangriff?? Oder...?). Und auch angesichts der Jahrzehnte voller "alltäglicher" (aber doch hoffentlich nicht als "normal" empfundener), gerade in letzter Zeit gar noch zunehmender Gewalt: Das tief sitzende Bewusstsein der Verletzlichkeit dieses – südlich von Haifa, an der hohen "Wespentaille" gerade mal 14 km breiten – Landes Israel. Die Erfahrung und Überzeugung, "dass uns Juden noch nie jemand geholfen hat, wir selbst stark, zu jedem Krieg gerüstet sein müssen" wurde uns in Haifa und fast allen unseren weiteren Stationen mit recht ähnlichen Worten immer wieder vermittelt. Auch von wahrlich unkriegerischen, differenzierten, warmherzigen Gesprächspartnern! Die Angst um Familienangehörige, das ständige Telefonieren und Sich-Vergewissern, ob die Liebsten wohlauf sind, raubt offenbar derart viel Kraft, dass die Frage nur von recht wenigen gestellt wird, ob – neben den Demütigungen – die eigenen Sicherheitsanstrengungen, ob die "Vergel-tungs"-Schläge des Militärs die Sicherheit tatsächlich erhöhen. Und ähnlich den sog. Nach–(und doch Nach-Nach- und Nach-Nach-Nach-...)–Rüstungsdebatten, die wir Älteren in den 80-er-Jahren in Deutschland und anderswo hinsichtlich Atombewaffnung hatten (welche Seite ist womit gerechtfertigt, und was ist doch nur wieder ein Vorwand...): Wer re-agiert in diesem unheiligen Krieg im sog. Heiligen Land wirklich "nur", wer "reagiert über", und wer kocht dahinter welche unheil-schwangeren, jedes Vertrauen – und noch viel mehr – vergiftenden "Süppchen"?! (...)

Mehrere orthodoxe Juden machten mir gegenüber sehr deutlich, dass es ihrer Ansicht nach ausschließlich Sache der Palästinenser sei, die Gewalt zu beenden, und dass diese im übrigen in dem doch ursprünglich den Juden anvertrauten Land nichts zu suchen haben. Palästinenser werden – allenfalls – als Gefahr wahrgenommen und als preiswerte Arbeitskräfte "gebraucht", nicht aber als Träger von Grundrechten. Und selbst ein ca. 35-jähriger alerter Israeli in Tel Aviv, der dreimal im Gespräch betonte, "I’m not religious", meinte, Gott habe das Land den Juden geschenkt; und er verstand meine Frage nicht, ob es nicht vielleicht auch den seit so langem dort lebenden Arabern anvertraut ist und damit zwei "angestammte" und – wenn GOTT die LIEBE ist – geliebte Völker sich arrangieren müssten. Für ihn, der "of course only peace" will und – so betont er – "nichts gegen die Araber" hat, ist klar, dass die halt nur Diktatur gewöhnt sind, während die Israelis z.B. ihren Scharon abwählen und in die Wüste jagen könnten...

So einfach kann das Leben für "Demokraten" sein (genauer: basteln sie es sich zurecht)! (...)

Warum nach Israel/Palästina fahren?" ... Wir wussten vor der Reise längst, dass die Lage in Israel/Palästina sich kritisch zuspitzte. Weshalb z.B. einige Eltern von Zivildienstleistenden rund um das Vorbereitungstreffen am 12.1.02 erheblichen Druck ausübten und Vorwürfe gegen die Reiseleitung aussprachen, wie unverantwortlich doch ein solches Angebot und damit eine solche "Versuchung" für ihre (volljährigen) Söhne sei. Wir anderen waren uns allerdings einig, dass wir – solange vom Auswärtigen Amt keine Warnung vor Reisen in das Gebiet ausgesprochen würde – die Fahrt insbesondere auch von daher für wichtig ansehen, weil die ohnehin schwer erträgliche Lage der dortigen Bewohner dadurch noch schlimmer wird, wenn sie das Gefühl haben müssen, dass "die Welt" sie gar nicht wahrnimmt, sich (schon von außen!) überfordert oder desinteressiert abwendet, wenn Besucher nur in "besseren Zeiten" kommen, aber nicht, wenn die Bevölkerung es am dringendsten bräuchte.

Und tatsächlich war es fast beschämend, dann im Land (ganz gleich in Israel und in Palästina!) immer und immer wieder zu hören und auch zu spüren, wie groß das Erstaunen und die Dank-barkeit eigentlich aller Gesprächspartner war, dass wir gekommen waren. Gewiss eben nicht nur unserer paar €uro oder Schekel wegen!

Israels Wirtschaft "lebt" normalerweise zu 20 % vom Tourismus, dieser war jedoch nicht um, sondern auf ca. 30 % weggebrochen (Ägypten hat durch die Intifada im Nachbarland und die Ereignisse um den 11.9.01 einen Tourismus-Einbruch von 16% und ächzt schon darunter erheb-lich, weil auch kaum "Reserven" vorhanden sind!). Selbst etwa in Jerusalem in der weitläufigen Grabeskirche, wo sich sonst nach Angaben von Kennern die Massen ballen, waren wir 34 Leutchen die Haupt-Zahl. Und am Freitag, dem 1.3., sperrten am relativ frühen Nachmittag nicht nur im jüdischen Viertel Jerusalems wegen der Vorbereitung auf den Sabbat, sondern auch im arabischen Viertel, wo wir vorher praktisch nur leere Geschäfte sahen, auch diese zu: Es gab nichts zu verdienen!

Die Arbeitslosigkeit in Israel insgesamt beträgt nach zwei Quellen als drückend empfundene 10,5% (bei den arabischen Israelis freilich mehr als 23%, was offiziell selten verlautbart wird, weil es offenbar offiziell und auch für die Mehrheit der Bevölkerung "wenig interessant" ist! Damit beträgt nach meiner Rechnung die Arbeitslosigkeit des jüdischen Teils – ca. 80% der israelischen Bevölkerung – 7,8%). Und: Etwa im palästinensischen Bethlehem beträgt sie grausame 60%! Das hat gewiss vielerlei Gründe, aber maßgeblich ist zumindest mit etwa, dass die Handelsmöglichkeiten überhaupt erheblich eingeschränkt sind, durch die als willkürlich erlebten zusätzlichen zeitweiligen Verbote von Checkpoint-überschreitendem Verkehr aber für Geschäfts-partner auch noch "unzuverlässig", so dass diese Geschäfte zusätzlich behindert oder unmöglich werden (So sah ich etwa bei meinem Morgenlauf am Checkpoint nach Jerusalem, dass ein LKW-Fahrer mit einer Ladung Steinen zurückgewiesen wurde; aber auch, wie. Wie demütigend auch hier offensichtlich wieder die Abhängigkeit von den als Besatzungsmacht erlebten Soldaten erlebt wurde!

Aber auch: Aus dem schon für Israel so schmerzlich ausgedünnten "Touristenstrom" kommt in Palästina praktisch gar nichts mehr an! Entsprechend waren wir seit der Zivi-Gruppe im vorigen Jahr die erste ÜbernachtungsGruppe in Bethlehem! Und statt in guten Zeiten täglich 7- bis 10.000 Pilger in Bethlehem fielen die Hand voll Tagesgäste völlig auf. Entsprechend konnte ich am Samstag, 2.3., nachmittags vor der die "eigentliche" Stelle der Geburtsgrotte symbolisie-renden Silberschale, wo n.A. von früheren Israelfahrern zu "normalen" Zeiten manchmal wegen der nachdrängenden Pilger kein Verweilen möglich ist, nach unserer Führung noch etwa 10 Minuten völlig alleine im Gebet verharren.

Dass Gott kein GebetsErfüllungsAutomat ist, wissen wir ja. Und doch kann sich neu erschließen, warum es im Psalter auch Klage- und sogar Anklagepsalmen gibt: Zwei Stunden später wurde an dem von uns sechsmal benutzten Checkpoint nach Jerusalem (aber nicht das ist bedeutsam, sondern er ist eine für so viele Menschen buchstäblich lebens-wichtige und doch so verletzliche Lebens-Ader) scharf geschossen. Und dass am nächsten (Sonntag-)Morgen ab 03.55Uhr über "unser" St. Vincent-Guest-House des im selben Gebäudekomplex ein großes Krankenhaus betreibenden französischen Ordens der Hl. Familie israelische Raketen fauchten ("Wann trifft uns eine?") und deren nächste ca. 180 m von uns eine armselige Werkshalle zerstörte und die Druckwelle auch einige nähere Glasscheiben bersten ließ, das ließ uns dann doch auch erzittern. (...)

Zwei unserer israelischen Gesprächspartner schilderten u.a. einige der sehr viel Kraft absorbie-renden, aber insbes. "wegen der Fokussierung auf die Palästinenser nicht richtig angegangenen" . Probleme/Konflikte in der israelischen Gesellschaft (hier nur äußerst knapp skizziert):

● religiös, d.h. das verheißene Land besiedeln, um die Ankunft des Messias zu ermöglichen, ● säkular-politisch, um Bildung des späteren Palästinenserstaats zu erschweren oder gar um Palästinenser zu vertreiben, ● Neuimmigranten, vielfach aus Russland, arm, sind insofern froh um die Siedlungen, weil sie dort kaum Steuern zahlen, günstigste Darlehen erhalten ... Für alle Gruppen gilt auch, dass viele der Menschen in den Siedlungen eigentlich kaum "leben", nur schlafen, damit erschwerte Identitätsentwicklung etc. Es gibt allerdings auch Fabriken in einigen Siedlungen)

Nachtrag Es gäbe nach dem Mai 2003 sehr viel nachzutragen, hier nur einige Aspekte/Daten:

Zuverlässige Berichte insbes. per Mail sagen z.B.:

Kurz nach unserem Aufenthalt dort war das Flüchtlingslager Balata rundum durch Roadblocks so versperrt, dass selbst Ambulanzen nicht hineinfahren und vor allem niemanden herausholen konnten (18.000 Bewohner!).

In Balata und im übrigen Nablus wurden mehrere Familien in ihren Wohnungen arretiert. Auch Hauszerstörungen gehen weiter: Alleine 7.–17.8.03 zunächst 4, dann unterbrachen – auch wegen israel. Erschießungsaktion! – Hamas u. Al-Aksa-Brigaden den ohnehin einseitigen Waffenstillstand mit 2 Suizid-anschlägen, worauf erneut 3 Häuser zerstört wurden. Neben diesen "Straf- und Abschreckungsmaßnahmen" werden, ebenfalls entgegen der Roadmap, Häuser unter dem Vorwand fehlender Baugenehmigungen zerstört. Bedroht ist u.a. ein vom Israeli Committee against House Demolition (anstelle eines 4 x abgeriss. Familienhauses) errichtetes Friedenszentrum.

Am Huwarra-Checkpoint wurden Palästinenser auch im Juli stundenlang hingehalten, auch geschlagen. Auch bestohlen; so wurden eine Art Kofferwägelchen "konfisziert", mit denen sich junge Palästinenser am Checkpoint ein paar Schekel verdienen ...

Faten Mukarker (s.S. 5 Fn 2) schrieb nach Aufhebung der Besetzung Bethlehems, nun werde man "draußen" wieder sagen, jetzt seien sie endlich frei. "Aber: Wir sind damit so frei, wie man in einem Gefängnis frei ist". Die Panzer stehen draußen, unterbinden palästinensischen Verkehr weitestgehend. Und oft schon sind sie dann auch wieder in die Stadt zurückgekehrt.

Z.B. im Juli wurden am selben Tag 2 Gruppen à 4 Internationale, Anfang August 03 bei Mas’ha am umgezogenen Friedenscamp 46 Palästinenser, Israelis und Internationale festgenommen und die "August-gruppe" in Haft in die illegale Riesen-Siedlung Ariel verbracht (Am 17.8. erneut 2 Internationale. Wenn auch die Mehrzahl "nur" einige Tage arretiert wurde und so weit möglich – Internationale – mit Wieder-Einreiseverbot belegt werden: Bei all diesen Vorkommnissen konnte all den Demonstranten keinerlei Gewaltanwendung vorgeworfen werden, man versucht sie aber in die Gewaltecke zu schieben ...

"Die" Presse und "die" Welt lädt mit Schuld auf sich, wenn etwa der "Bruch des Waffenstillstands" erst im August festgestellt wird, als nach sechswöchiger Pause bei den (was nicht gutgeheißen werden kann und auch von der Mehrzahl der Palästinenser nicht gutgeheißen wird!) oben erwähnten 2 Suizidanschlägen vier Israelis umgebracht wurdenwährend sechzehn (!) tote Palästinenser in den Wochen davor keine "Notiz" Wert zu sein schienen ... Es stimmt doch einfach nicht, dass damit Gewalttäter, denen man anders nicht Herr werden könnte, ausgeschaltet werden. Nochmals: Es sind sehr wenige Palästinenser, die Gewalt anwenden; aber warum nimmt man nur deren Gewalt wahr und so wenig die derart drückende strukturelle und auch unmittelbare Gewalt gegen ein ganzes Volk? Und auch nicht den gewaltfreien Widerstand der Vielen?! Je weniger der stille, bewundernswerte Widerstand ernstgenommen wird, desto größer die Gefahr..

Dies alles und viel mehr zu einer Zeit, da wir alle hoffen, dass der Friedensplan "Roadmap" (S. 39. So ungerecht und gefährdet er auch ist) doch endlich Fortschritte bringen möge! Nicht nur, dass die Menschen in Palästina von den schon vorgesehenen und angeblich auch erfüllten Erleichterungen nichts merken, sondern die neuerlichen Demütigungen, Gewalterfahrungen, Enttäuschungen lassen befürchten, dass wieder einige Palästinenser es sich nicht mehr gefallen lassen wollen ... Soll/muss dies provoziert werden?! Es geht nicht ohne Hoffnung! Aber übel ausgetrickste Hoffnungen schlagen leicht um in Ohnmacht, und diese in meist verzweifelte, manchmal auch kühl berechnete Taten ... Entziehen wir alle dem den Boden!

Anhänge:

Zum Titihaus im Flüchtlingslager Balata in Nablus/Westjordanland (s. S. 28)
Bericht von Babette Herchenröder und Marissa McLaughlin:
Viel musste geschehen, bis Jihad Al-Titi eines Tages den Entschluss fasste, sich in Tel Aviv in die Luft zu sprengen...


Seit zehn Jahren erzieht Halima, 53 Jahre, ihre zehn Kinder allein. Ihr jüngster Sohn Jihad AI-Titi sprengte sich im Frühjahr 2002 in Tel Aviv in die Luft. Er war achtzehn Jahre alt. Entgegen dem im Westen verbreiteten Vorurteil, dass die palästinensischen Mütter ihre Söhne zum Selbstmordattentat aufrufen, wissen die Mütter nichts von den Attentatsplänen ihrer Söhne. So hatte auch Halima keine Ahnung vom tödlichen Entschluss ihres Sohnes.

Jihad AI-Titi war auch kein Hamas-Mitglied und er war auch nicht fanatisch religiös, sondern ein ganz normaler junger Mann mit Zukunftsplänen und ein begeisterter Sportler.

Anfang 2002 fiel die israelische Armee in das Balatalager ein und eröffnete das Feuer auf mehrere Jugendliche in den Strassen des Camps. Jihad AI-Titis Freund wurde verletzt und die Armee erlaubte den Ambulanzen nicht, die Verwundeten in die Krankenhäuser zu bringen. Jihad rannte hinaus auf die Strasse, um seinen verletzten Freund in Sicherheit zu bringen. Die Armee feuerte auf ihn und verwundete ihn auf der rechten Seite. Er musste sich wegen einer grossen Fleischwunde einer Operation unterziehen. Während er sich noch zu Hause von seiner Verwundung erholte, standen plötzlich am 1. März ein Panzer und ein bewaffneter Bulldozer vor dem Gebäude. Die Soldaten stürmten hinein und schlossen die Familienmitglieder in ein Zimmer im zweiten Stock des Hauses ein. Halima hatte gerade den ersten Stock geschmückt für [hier fehlt offenbar etwas im Bericht. G.W.] zerschlugen die Einrichtung und verbrannten einige Möbelstücke. Ein Soldat fand die Ersparnisse Halimas, 250 Dollar, und steckte sie in die eigene Tasche. Sie wollte das Geld einem Sohn nach Russland schicken, der dort studiert. Die Soldaten befestigten Explosivkörper an den Innenwänden und liessen sie dann detonieren. Die Fliesen brachen in der Küche und im Bad, überall lagen Glasscherben und die Wände bekamen tiefe Risse, vom ersten bis zum dritten Stock. Der Zweck dieser Explosionen war, den Bulldozern die Arbeit zu erleichtern. Die Familie war sehr erschrocken und hatte keine Ahnung, was vor sich ging. Die Armee hatte sie nicht vorgewarnt. (Babette Herchenröder)IPGA18

Gerade als die Bulldozer begannen, das Haus von Halimas Familie zu zerstören, kam ein internationales Fernsehteam angereist. Daraufhin zog sich die Armee zurück. Knapp einen Monat später drang die Armee erneut in das Balata-Lager ein. Für mehrere Tage feuerten sie aus den sog. Apachi-Helikoptem auf die Bewohner. Viele Häuser wurden zerstört. In diesen Häusern lebten keine Terroristen oder sonstige verdächtige Personen, sie schossen einfach aufs Geratewohl.

Oder anders herum: Für die Armee sind alle Männer zwischen fünfzehn und fünfzig Jahren Terroristen. 90 Prozent aller jungen Männer waren schon einmal in Haft. Wer sich allein nur mit Worten gegen die Besatzung äußert, ist des Terrorismus verdächtig. Halima beginnt zu weinen, als sie mir den Fortgang ihrer Leidensgeschichte erzählt. Am 9. April, während die Invasion noch anhielt, kam ihr älterer Sohn Munir, 36 Jahre, zusammen mit seinem Sohn Saleh, 13 Jahre, vom Markt zurück. Gerade, als sie ihre Haustür erreichten, wurden sie von hinten von einem Panzer beschossen. Das Geschütz traf auch das Haus und Teile davon fielen auf die beiden Heimkehrenden. Saleh verlor seinen rechten Zeigefinger und er konnte seinen Daumen nicht mehr bewegen. Während des Interviews zeigte er mir seine rechte Hand. Der Daumen musste mittlerweile amputiert werden. Das Rückrat seines Vaters wurde durch eine Splitterbombe verletzt, seitdem ist er gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Munir hat eine Frau und acht Kinder, die jetzt ohne Unterstützung sind.

Am 28. April fielen die Israelis wieder in das Lager ein. Der Terror gegen Jihads Familie sollte noch lange nicht aufhören. Diesmal hatte sich die Armee etwas besonderes ausgedacht. Jihad, seine Brüder und alle Männer, die zwischen fünfzehn und fünfzig Jahren alt waren, wurden gezwungen, sich zu entkleiden. Dann wurden sie mit verbundenen Augen und hinter dem Rücken gefesselten Händen durch das Balata-Lager geführt. Sie kamen für mehrere Tage ins Gefängnis, wo weitere Demütigungen und Folter auf sie warteten. Israel ist das einzige Land der Welt, in dem Folter legalisiert ist. Kinder ab dem zwölften Lebensjahr können mit regulären Haftstrafen belegt werden.

Während die Männer und Jungen im Gefängnis waren bombardierten sich die Panzer ihren Weg durch das Lager frei, indem sie die Mauern der Häuserzerstörten. Die Soldaten konnten sich dann frei durch die Räume bewegen, ohne die Strassen benutzen zu müssen. Sie stahlen, was immer ihnen in die Hände kam, Geld, Juwelen, elektronische Geräte, und sie terrorisierten Frauen und Kinder. Was sie nicht stahlen, zerstörten sie. Sie sprühten schwarze und rote Pfeile an die Wände der Häuser, um anderen Soldaten den Weg zu weisen. Halima zeigte mir einige der Pfeile in ihrem Wohnzimmer und im Flur. Wenige Tage später zerstörte die Armee das Haus von Jihads bestem Freund und Cousin Mahmoud. Nur das Skelett des Hauses war übrig, Türen, Fenster und Wände waren weggeblasen. Nachdem die Armee das Lager verlassen hatte, kehrten Jihad AI-Titi und einige Freunde von der Schule zurück, wo sie friedlich gegen die Besetzung protestiert hatten. Als sie aus dem Auto stiegen, warf die Armee eine Bombe auf sie. Jihad erlitt ernsthafte Verletzungen an seinem rechten Arm, an seiner Hand, im Gesicht, an Fersen und Zeh. Und er verlor fast die gesamte Sehkraft seines rechten Auges.

Trotz seiner Verletzungen und Verluste, trotz der Tatsache, dass die Armee das Haus seines besten Freundes zerstörte und halbwegs das seiner Familie, trotz Ausgangs-sperre, die die Armee verhängte und weswegen niemand zur Arbeit und zur Schule gehen konnte, trotz der Gefängnisstrafen ohne Anklage verlor Jihad nicht seine Hoffnung. Er galt immer noch als die positive Stimme des Lagers und er ermutigte die anderen, nicht den Glauben an eine bessere Zukunft zu verlieren." Am 22. Mai ermordete die Armee Jihads geliebten Cousin Mahmoud. Als er und zwei Freunde ein Grab auf dem Friedhof im Balata-Lager besuchten, feuerte die Armee acht Panzergeschosse auf sie ab, jedes dieser Geschosse war mit über 500 Nägeln bestückt, die so scharf wie Pfeile waren. Die Geschütze feuerte die Armee von dem in der Nähe gelegenen Berg AI-Tur ab. Alle drei wurden getötet und eine vierte Person, die in der Nähe stand, starb am selben Abend an den Verletzungen. Acht Personen, die weiter weg standen, wurden schwer verletzt. Umliegende Häuser und Gräber wurden beschädigt. Jihad rannte zum Friedhof und fand den Körper seines Freundes in Stücke zerfetzt. Als er versuchte, Mahmouds Körper hoch-zuheben, glitten seine Hände durch ein großes Loch. Jihhad musste ins Krankenhaus, da er unter Schock stand. Dort weinte und zitterte er ohne Unterlass. Nach der Behandlung weigerte er sich, das Krankenhaus zu verlassen und verbrachte die Nacht in der Leichen-halle, wo sein Freund aufgebahrt war. Am nächsten Morgen, während des Begräbnisses von Mahmoud, verlor er das Bewusstsein. Einen Tag später zerstörten die Bulldozer die Reste von Mahmouds Haus – und die Häuser sechs anderer Familien, die an Mahmouds Haus angrenzten. Die Bulldozer zerstörten auch viele Gräber auf dem nahe gelegenen Friedhof. Der Presse erzählte die Armee, dass sie eine Bombenfabrik in Mahmouds Haus gefunden hätte, um ihre Angriffe auf das Balata-Camp zu rechtfertigen.

Halima erzählte, dass Jihad nicht aufhören konnte zu weinen. Er trauerte um seine getöteten Freunde, aber am meisten trauerte er um Mahmoud. Nach der Ermordung seines Cousins verschenkte er seine Lieblingsklamotten an seine Freunde. Er war überzeugt, dass ihn die Israelis als nächsten töten werden und er wünschte sich, dass seine Freunde etwas haben, was sie an ihn erinnert. Drei Tage und Nächte saß er an Mahmouds Grab und weigerte sich, es zu verlassen. Dann verschwand er. Niemand hatte eine Ahnung, wo er war, aber alle dachten, dass er mit seinem Kummer allein sein wollte. Am Nachmittag des vierten Tages nach Mahmouds Tod konnte Halima ihren Sohn endlich auf seinem Handy erreichen. Sie flehte ihn an, zurückzukommen, um gemeinsam mit der Familie zu trauern, anstatt sich allein seinem Kummer hinzugeben. Er antwortete:" Ich bin weit weg von Dir. Ich liebe Dich, Mutter, eine lange Zeit werde ich auf Dich warten. Nun möchte ich, dass mich niemand mehr anruft." Dann legte er auf und schaltete sein Telefon ab.

Knappe zwei Sunden später, am 28. Mai, nachmittags um sechs Uhr vierzig, betrat er ein Straßencafe in Tel Aviv und ließ dort seinen Explosivgürtel, den er unter seinem grauen T-Shirt trug, detonieren. Er tötete sich selbst und zwei Israelis und verwundete fünfzig andere. Er war der erste Selbstmordbomber des Balata-Lagers, aber nicht der letzte. Zehn Tage später ging ein enger Freund von ihm in eine illegale israelische Siedlung und eröffnete das Feuer auf Soldaten, die gerade trainierten. Er wurde von anderen Soldaten erschossen. Wenige Tage später ging ein anderer Freund Jihads auf eine Selbstmordmission. Die Israelis weigern sich, Jihads Körper der Familie zurückzugeben. Sie halten ihn als Geisel im Gefängnis für mindestens 25 Jahre. Der Familie war es nicht vergönnt, lange um Jihad zu trauern. Drei Tage nach seinem Tod sperrte die israelische Armee alle Männer ein, die einen Bezug zu Jihad hatten oder ihn flüchtig kannten. Die Soldaten besetzten für fünf Tage das Haus von AI-Titi und schlossen Halima und die Kinder in einen Raum ein. Sie benutzten das Haus als Basis für ihre militärischen Operationen, um erneut die Bewohnerdes Balata-Camps zu terrorisieren.

Omar, ein anderer Sohn Halimas, wurde Mitte Dezember an einem Checkpoint festgenommen und kam in Haft. Ich hatte ihn kennen gelernt, als ich das erste Mal im Dezember in Balata war. Wegen seiner freundlichen Art wurde er von allen sehr gemocht Er hatte sich als einer der Koordinatoren der internationalenSolidaritätsbewegung angeschlossen. Seine friedlicheGesinnung hatte ihm nichts genutzt.

Marissa MC Laughlin"

Interviews Aus Andreas’ Tonband-Interviews:

... mit Nazee Shalabi , paläst. Bauer und Hauptinitiator des Mas’ha-Friedenscamps): "... Wir brauchen keine ‘Sicherheitsmauer’, sondern zwei Staaten, in denen Israelis und Palästinenser leben – als Nachbarn, unabhängig und befreundet. Das beste Beispiel für das Zusammenleben ist unser Lager – trotz aller Schwierigkeiten, die wir jeden Tag erleben müssen... Wir zeigen hier auf, daß die israelische Regierung ein Interesse am Kriegszustand hat. Damit sie behaupten kann, daß sie ‘Sicherheit’ benötigt und somit den Landraub der Siedler zu unterstützen..."

... mit Chaim im Mas’ha-Friedenscamp: "Es ist für mich schwierig über Mas'ha zu sprechen. Ich habe dazu komplizierte, widersprüchliche Gefühle. Einerseits einen großen Schmerz, Zorn und eine starke Identifikation mit den Palästinensern, aber ich fühle auch als Jüdin, Israelin mit vielen Verwandten in Israel. Dann fällt es mir schwer, mich mit den Palästinensern zu identifizieren; denn es bedeutet, mich mit meiner Familie zu entzweien und sie zu verärgern, weil ich mich in dieser Weise angagiere. Andererseits denke ich, ich kann nicht eine bewusste Bürgerin Israels und eine bewußte Welt-bürgerin sein und nichts tun. Denn ich sehe ja, wie hier täglich Menschenrechte verletzt werden, unschuldige Menschen umgebracht werden und die Welt tatenlos zusieht. Und ich hoffe, dass, was ich hier mache, irgendwas an der Situation ändert. Aber wenn ich dann sehe, wie sie hier trotz unserer Gegenwart die Mauer weiterbauen, habe ich manchmal das Gefühl, sie verhöhnen uns. ... Gleichzeitig bin ich sehr stolz; denn wir begeben uns nicht auf ihre Ebene herab, wir brauchen keine Gewalt, um unseren Standpunkt klarzumachen. Wir arbeiten mit zwischenmenschlichem Kontakt, und ich bin überzeugt, dass nur so, durch Gespräch und Interaktion, der Friedensprozeß ist. Ich glaube nicht, dass Gewalt ihn voranbringen kann. Ich denke, Gewalt negiert absolut den Frieden.

Es ist sehr schön für mich hier zu sein, ich bin sehr gerne hier, aber es ist auch schwer für mich. Ich brauche viel Kraft, und es ist nicht leicht, wieder nach Israel zurückzukehren, in israelische Städte zurückzukommen nach allem, was ich hier erlebt habe. Denn dort siehst du Leute, denen es gut geht, die ein normales Leben führen können und keine Ahnung haben, was hier in den besetzten Gebieten vorgeht. Und du würdets sie am liebsten schütteln und ihnen sagen: "Ihr habt keine Ahnung was vorgeht, ihr kümmert auch einfach nicht darum.Ich weiß nicht, die Situation sieht zur Zeit ziemlich hoffnungslos aus, nach allem, was ISM passiert ist, und wenn man mitansehen muß, wie die Apartheidsmauer einfach weitergebaut wird. Aber zugleich denke ich, was wir hier aufgebaut haben, ein Netz aus Kontakten, Interaktion und Diskussion und gemeinsamen Erfahrungen, das ist etwas, was internationale und nationale Politik und Politiker nicht zerstören können.

Ich hoffe, daß sich mehr Leute engagieren, daß ich engagiert bleibe, daß die Welt aufsteht, einzelne Länder aufstehen und Nein sagen zu der israelischen Politik in den besetzten Gebieten..."

... mit John, irischer ISM: "...obwohl ISM und ich persönlich absolut nicht einverstanden sind mit Selbstmordanschlägen auf unschuldige israelische Zivilisten, lehnen wir die Bestrafung der Hinterbliebenden ab. Die Häuser, in denen wir uns aufhalten, beherbergen meistens mehrere Familien, die nicht unbedingt miteinander verwandt sind. Und nur weil ein Mitglied einer der Familien eine furchtbare Tat begangen hat, dürfen nicht die restlichen Bewohner des Hauses dafür bestraft werden. ...Wenn ich zu ihnen gehe, versuche ich, nicht an die Tat zu denken, die der Eine ausgeführt hat; ich denke dann in erster Linie an die anderen, die in dem Haus wohnen und versuchen "zu leben". Nur wenige von den Leuten, in deren Haus ich war, hatten eine Ahnung davon gehabt, was ihr Sohn vorhatte, der die Tat beging. Es sind also diese Menschen, die wir zu schützen versuchen, nicht die Tat dieses einen..."

... mit Saif, ISM-Koordinator in Nablus: "Hi, ich heiße Saif, bin 21 Jahre alt und lebe im Askar-Flüchtlingslager in Nablus. Da bin ich auch aufgewachsen und während der 1. Intifada waren beide Eltern eine Zeitlang im Gefängnis, ebenso manche von unseren Verwandten. Ich selber war im Laufe des letzten Jahres im Krankenhaus, nachdem ich am Kinn angeschossen worden war. Weil ich drei Monate im Krankenhaus verbringen mußte, konnte ich die Schule nicht abschließen. Seit 7 Jahren arbeite ich als Freiwilliger. Mit Beginn der 2. Intifada habe ich ange-fangen mit Kindern zu arbeiten, die durch die Besatzung psychisch geschädigt sind. Vor etwa 10 Monaten bin ich zu ISM gestoßen. Ich glaube, die Arbeit, die wir bei ISM machen, ist sehr wichtig. Ich glaube an die Wirksamkeit der direkten Aktion.

Als Palästinenser haben wir nichts gegen die Juden als Religionsgemeinschaft oder Nation. Aber wir haben ein Problem mit der illegalen Besatzung. Ich verstehe nicht, daß jemand, der in Athiopien lebt, ein Rückkehrrecht nach Israel hat, während ich, der ich eine Stunde westlich von Jaffa wohne, diese Stadt nicht einmal besuchen darf. Meine Familie stammt von dort, und ich bin bisher noch nie in Jaffa gewesen. Ich träume davon.......

Unsere Bewegung basiert auf der gewaltlosen direkten Aktion. Auf diese Weise leistet ISM Widerstand gegen die Besatzung. ISM hilft den Palästinensern, ihr tägliches Leben aufrecht zu erhalten; denn in Palästina ist es bereits Widerstand, zur Schule zu gehen, zum Einkaufen zu gehen, zum Arzt zu gehen – all das bedeutet Widerstand, denn bei jeder solchen Gelegenheit kann man von der Armee angegriffen oder umgebraucht werden. Da ist es wirklich wichtig, die Internationalen an unserer Seite zu haben. Ohne sie können wir keinen gewaltlosen Widerstand leisten. Und gerade das wollen wir, wir wollen gewaltlos Widerstand leisten. Aber normalerweise haben wir keine Möglichkeit dazu. Unsere Demonstrationen sind eine Form des gewaltlosen Widerstandes; aber die Armee reagiert, indem sie auf uns schießt. So werden 6,7,8 Personen umgebracht, 200, 300 verletzt.Wir wollen nicht so viele Menschen opfern.

Es geht uns vor allem darum, dass die UN-Resolutionen, die bisher nur auf dem Papier existie-ren, wirklich zur Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts umgesetzt werden. Unsere Bewegung, ISM, glaubt an die Menschenrechte, glaubt an die Durchsetzung der UN-Resolu-tionen und setzt sich dafür ein, dass die Verletzungen der Genfer Konventionen aufhören. Wir sind eine basisdemo-kratische Bewegung, in der wir durch Diskussionen zum Konsens kommen und jeder an der Entscheidungsfindung teil hat und Verantwortung für die Entscheidungen trägt. Es ist sehr wichtig, dass man über den Konflikt besser Bescheid weiß und mehr erfährt und sich unserer absolut gewaltfreien Bewegung anschließt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn noch mehr Internationale nach Palästina kämen. Ich würde sie gerne hier willkommen heißen. Für jeden gibt es hier einen Platz, eine Aufgabe. Ihr könnt hier jeder und jede eine wichtige Rolle spielen. Wenn euch die Menschenrechte am Herzen liegen, kommt, zur Lösung des Konfliktes beizutragen. Ihr könnt einen Beitrag dazu leisten, der Gewalt in diesem Lande ein Ende zu setzen. Danke".

(Herzlichen Dank für die Übersetzungen an Raied Naieem (aus dem Arabischen)

und Sophia Deeg (aus dem Englischen)!)

 

Literaturhinweise (Sh. hierzu auch S. 5 Fn. 2! Ohne Anspruch auf Vollständigkeit!):

Uri Avnery "MY FRIENDLY ENEMY" ZedBooks Großbritannien, 1986 (bekannter durch große Zahl von Aufsätzen etc.)

Felicia Langer (u.a. "ZORN UND HOFFNUNG. Autobiographie", "LASST UNS WIE MENSCHEN LEBEN"),

Reuven Moskovitz ( "DER LANGE WEG ZUM FRIEDEN. Deutschland – Israel – Palästina. Episoden aus dem Leben eines Friedensabenteurers". Verlag amBEATion/randlage. 3. Aufl. 2001. Erhältlich für 13 € plus Versandkosten nur über Dorothea Tettenborn, Mariendorfer Damm 342, 12107 Berlin, Tel. 030/-74105056.),

Amira Hass (u.a. "GAZA" Tagebuch einer israelischen Journalistin aus dem Gazastreifen. Aus pax-christi-Rundbrief der Bistumsstelle München Sommer 2/2003: "... wurde soeben mit dem UNESCO-Preis für Pressefreiheit ausgezeichnet. Sie deckt die Selbstherrlichkeit der Autono-miebehörde unter Yassir Arafat und deren schamlos gegenüber der ärmlichen Bevölkerungs-mehrheit ausgenutzten Privilegien auf. Amira Hass kritisiert freilich ebenso scharf die israelische Regierung. Deren Besatzungspolitik seit 1967 sei ursächlich für den selbstzerstörerischen Kampf palästinensischer Extremisten, für Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der Palästinenser. Das Buch zeichnet ein Bild davon, wie etwa die Siedlungspolitik Israels in den letzten zehn Jahren die palästinensische Gewalt gefördert hat...").

Die schon zitierte jüd. Freundin ergänzt die kleine Zusammenstellung, und ich möchte es dankbar auch "original" weitergeben: "Folgende beiden Bücher schildern meiner Meinung nach hervor-ragend die Komplexität des Konflikts und welche Ängste zu welchen Reaktionen führen. Gut für alle, die verstehen wollen (falls man das überhaupt kann), was dort abgeht":

Ofer Grosbard "ISRAEL AUF DER COUCH. Zur Psychologie des Nahostkonflikts", PatmosVlg. Grosbord ist ein israel. Psychologe und Psychotherapeut.

Marcel Pott "SCHULD UND SÜHNE IM GELOBTEN LAND. Israels Sonderrolle im Schutz der westlichen Welt". Kiepenheuer & Witsch. Pott ist ehem. ltd. Redakteur des ARD-Fernsehstudios.

Margret Greiner "MISS, WIE BUCHSTABIERT MAN ZUKUNFT? Als deutsche Lehrerin in Jerusa-lem". Malik-Verlag

Sumaya Fahrhat-Naser ("THYMIAN UND STEINE – Eine Palästinensische Lebensgeschichte", Lenos Pocket 57 – siehe hier Seite 5 – , "VERWURZELT IM LAND DER OLIVENBÄUME. Über palästinensisch-israelische Friedensarbeit unter Frauen"),

Faten Mukarker ("LEBEN ZWISCHEN GRENZEN. Eine christliche Palästinenserin berichtet" Hans Thoma Verlag, Edition Zeitzeugen. Frau Mukarker, in Bethlehem geboren, in Deutschland aufgewachsen, lebt seit ihrer Heirat in Beit Jala unmittelbar bei Bethlehem, macht Fremdenfüh-rungen und lädt auch in ihr Haus ein, so das Alltagsleben von Palästinensern zu erleben; auch immer wieder Vortragsreisen in Deutschland. Der arabischen Kultur verpflichtet beschreibt sie eindrücklich ihren oft spannungsreichen Alltag, ihre Erfahrungen mit beiden Kulturen und warum sie sich so entschieden hat, die Sitten, das Familienleben, Intifada und Golfkrieg, Friedens-chancen, Trauer und Hoffnung ...) / GTB

Mitri Raheb (u.a. "ICH BIN CHRIST UND PALÄSTINENSER. Über Israel, seine Nachbarn und die Bibel" ¯

Ellen Rohlfs "DIE KINDER VON BETH-LEHEM. Augenzeugenberichte über die Massaker von 1948", Landnahme etc.,

Raid Sabbah "DER TOD IST EIN GESCHENK. Leben eines Selbstmordattentäters, beschrieben von einem Journalisten".

Aus der Literatur-Fülle (auch weiteres Schmökern in Buchhandlungen lohnt) noch eine ganz preiswerte, inhaltsreiche Veröffentlichung, aus der ich mit freundlicher Erlaubnis etliche der histo-rischen und zeitgeschichtlichen Daten übernommen habe (Teil der Absätze in kleinerer Type):

Studiengesellschaft für Friedensforschung e.V. München: Denkanstöße (Nr. 48) zum Thema: Israel und Palästina. 24 Seiten DIN-A-4, 0,50 € pro Exemplar + Porto; Aldringenstr. 10, 80639 München, Tel.089/1606637, www.studiengesellschaft-friedensforschung.de.

Internetseiten zu Palästina/Israel (ISM und IWPS siehe S. 6 Fußnoten!)

(ohne Gewähr inhaltlich und ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

www.gush-shalom.org Teil engagierter israel. Friedensbewegung (Mitinitiator einer im Juni 03 gegründeten Israel.-Paläst. Aktionsgruppe für Frieden. (u.a. englisch. Auch deutsche Links)

www.pengon.org (Netzwerk von paläst. NGO’s! Grundlegende Informationen! Viele Links!)

www.stopthewall.org (ab Sept. 03: Infos. Freiwill.Übersetzer (engl.-dt.) und Korrektoren gesucht

www.freunde-palaestinas.de (Vereinigung der Freunde Palästinas in Sachsen-Anhalt e.V.), z.T. tägl. Updates der Nachrichten, veröffentlichen Artikel aus israel., paläst., sonst. arab. u. europ. Zeitungen. Vermitteln persönliche Partnerschaften mit Kindern oder Familien

www.palestinechronicle.com tägl. Nachrichten aus Palästine. Website aus USA (engl.)

www.palestinemonitor.org Berichte über Menschenrechtsverletzungen, Berichte von NGO’s. Links zu Artikeln in engl. u. amerik. Zeitungen (engl.)

www.electronicintifada.net Berichte über Menschenrechtsverletzungen und NGO’s, Tagebuch-veröffentlichungen von Journalisten und Friedensaktivisten (engl.)

www.palaestina-portal.de (deutsch) Ich versuchte insges., israel. und arabische, damit z.T. islamische Sicht zu referieren und zu Wort kommen zu lassen. Hier noch eine andere Stimme (mit der ich mich nicht identifiziere):

www.palestine-info.co.uk tgl. Meldungen aus islamistischer Sicht! (engl.)

>>>> Für Hinweise, erforderlichenfalls Korrektur, Anregungen ... aller Art: Vielen Dank! <<<<


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