Politisches Samstagsgebet

Zeit: 
Samstag, März 9, 2013 - 18:00
Ort: 
Kath. Hochschulgemeinde Leopoldstr. 11 (U3/U6 Giselastraße, Ausgang Georgenstraße)

Herzliche Einladung zum Politischen Samstagsgebet am 9. März um 18 Uhr in der KHG, Leopoldstraße 11 (U3/U6 Giselastraße)

Krieg per Mausklick
Wo bleibt unsere Verantwortung?

Referent:
Martin Pilgram
Sprecher von pax christi München & Freising

"Sie gruselt die Vorstellung, wie plötzlich der Tod aus der Luft kommt, ferngesteuert wie in einem Computerspiel."
So die Beschreibung der Friedensbewegung aus der Sicht der Rüstungsindustrie.

Im Zuge einer fortschreitenden Automatisierung war es nur eine Frage der Zeit, wann Kriegstechnik eingesetzt werden wird, bei der der Angreifer aus der Ferne operiert.
2001 verfügte das Pentagon erst über 50 waffentaugliche Drohnen, heute sind es schon über 10.000. In den letzten fünf Jahren fanden etwa 1200 Drohnenangriffe im Irak, Afghanistan, Libyen und Gazastreifen statt.
"Die Kampfdrohne ist mittlerweile die Lieblingswaffe des Friedensnobelpreisträgers Obama" (DIE ZEIT vom 06.12.2012).

Unbemannte Flugkörper, Drohnen, sind nur ein Teil dieser Entwicklung. Auch zu Lande und im Wasser verfügen die Armeen heute schon über Material, welches aus der Ferne im Kampffeld geführt werden kann.

Verkauft werden solche Systeme mit dem Argument, dass durch ihren Einsatz weniger Zivilisten in Mitleidenschaft gezogen werden sollen und auch das Risiko für den Angreifer, der nicht auf dem Schlachtfeld operiert, geringer ist und sich damit die eigenen Kriegstoten, die daheim immer schlecht ankommen, verringern lassen.
Entwickler glauben, Kampfroboter werden bald autonom operieren und dann sogar die besseren Soldaten sein, weil ihre Aktionen nicht von Gefühlen geleitet werden und sie nur das ausführen, was man ihnen vorher beigebracht hat.

Befürworter von automatisierten Systemen müssen sich aber fragen lassen,
* ob diese ethisch korrekt funktionieren können
* ob die Entscheidung über Leben und Tod Maschinen überlassen werden darf
* ob diese Maschinen das Kriegsvölkerrecht kennen und respektieren können
* ob sie zwischen gegnerischen Kampftruppen einerseits und Unbeteiligten und Wehrlosen andererseits unterscheiden können
* und ob sie kulturelle Güter schonen können.

Zweifellos verletzt der Einsatz unbemannter Flugkörper heute oftmals die territoriale Integrität anderer Staaten. Sie sind ebenso ein eklatanter Verstoß gegen das in der UNO-Charta festgeschriebene Gewaltverbot in den internationalen Beziehungen.
Die Befürworter berufen sich zwar auf das in Artikel 51 erlaubte Recht auf Selbstverteidigung, aber selbst dann wäre die Wahl der Waffen nicht unbeschränkt, sondern durch das so genannte humanitäre Völkerrecht geregelt. Dieses stellt Verhaltensregeln für die Kriegsführung auf, um das Leid der nicht direkt an den Kämpfen beteiligten Personen zu lindern.

Das Recht hinkt wieder einmal den technischen Entwicklungen hinterher. Ein neues Regelwerk soll nun in den USA das Töten mittels Drohnen "regeln".

Auch die deutschen Militärs fordern eigene Drohnen. In Afghanistan werden geleaste israelische Systeme von der Bundeswehr eingesetzt. Im Sommer 2013 soll die Bundeswehr auch über bewaffnete Systeme verfügen.

Bei allem Bemühen um klare Regelungen, wann und wie derartige Systeme in Zukunft eingesetzt werden dürfen, muss es unser Ziel bleiben, Kriege aller Art zu ächten und gewaltfreie Konfliktlösungen zu erreichen!
Als Teil unserer Anstrengungen wäre es eine Möglichkeit des Protestes, den Aufruf der IPPNW zur Ächtung von bewaffneten Drohnen zu unterstützen.

Martin Pilgram, ehrenamtlich Sprecher der pax christi Bistumsstelle München, arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Samstag, 9. März 2013 18:00 Uhr
Kath. Hochschulgemeinde, Leopoldstr. 11, U3/U6 Giselastraße (Ausgang Georgenstraße)

Veranstalter: 
Politisches Samstagsgebet
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