Deutscher Militarismus vom Kaiserreich bis heute und deutsche Interessen am Krieg

Friedenswochen 2014
Zeit: 
Freitag, November 21, 2014 - 19:30
Ort: 
EineWeltHaus, Raum 211/212

Vortrag mit Diskussion von Dr. Detlef Bald, Publizist, Historiker, Militärexperte und Friedensforscher


  • "Ideen von 1914" /
  • "Kultur der Zurückhaltung" nach 1945 /
  • "Globale Ordnungspolitik" heute

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Der Militarismus im Kaiserreich mündete in den Ersten Weltkrieg. Hundert Jahre ist es her, dass der Erste Weltkrieg begann. Wir nennen es pauschal Nationalismus und Militarismus, was damals die Gemüter in Deutschland bestimmte. Bürgertum, Kirche und Adel lebten im dem abgehobenen Milieu der „Ideen von 1914“, verbunden durch eine Militärdoktrin der expansiven Landerweiterung nach Westen und Osten.
Die sogenannten »Ideen von 1914« treffen wir in Deutschland noch 1945 an. Hitler und die Naziherrschaft sind weitgehend schon im Kaiserreich verwurzelt. Die amtlichen Kriegsziele 1914 haben das Territorium ganz Europas als potenzielles Einmarschgebiet gesehen. Deutschland betrachtete die Industriegebiete Frankreichs und Belgiens wie auch die Agrargebiete der Ukraine als eigene Interessensphäre, die es militärisch sichern wollte. Und diese Kriegsziele wurden von vielen gesellschaftlichen Gruppen gefordert. Das Kaiserreich war bereit, jahrelang einen Ausblutungskrieg zu führen, der nicht nur die Soldaten der anderen Staaten, sondern auch die eigenen in ungeheurem Ausmaß dezimierte. Diese unbedingte Dominanz des staatlichen Machtanspruchs sehen wir auch in den Vernichtungskriegen der Nazis.
Auch heute gibt es noch wirksame Traditionslinien. Nach 1945 war Deutschland zunächst entmilitarisiert, die Bundeswehr war später unter strikter Kontrolle der Alliierten. Sie durfte keinen Generalstab haben, keine Alleingänge machen, keine Angriffskriege führen. Es entstand damals die »Kultur der Zurückhaltung« in der Außenpolitik.
Heute beteiligt sich die Bundeswehr wieder an Interventionskriegen und es wird eine „Globale Ordnungspolitik“ gepredigt. Hinzu kommt, dass in der Bundeswehr immer wieder nach Traditionslinien zur Wehrmacht gesucht wird.
2014, hundert Jahre nach dem „Ausbruch“ des Ersten Weltkriegs wird erneut heftige Debatte um Ursachen des Kriegs und die Verantwortung für den Krieg geführt. Nicht Deutschland habe die Hauptverantwortung für den Krieg, sondern „schlafwandlerisch“, oder als Zusammenwirken von „Zockern“ oder wegen „fehlender Weitsicht und Urteilskraft“ sei er irgendwie entstanden.
Der Vortrag von Detlef Bald wird die Interessen, die heute hinter diesen Positionen erkennbar sind, behandeln.

Dazu Interview mit D.Bald:

"Bundeswehr hat ideologische Elemente wie im Kaiserreich"


Veranstalter: 
Münchner Friedensbündnis
Kalenderauswahl: